Vollblutdeckhengste! Zu welchem Vollblutdeckhengst soll ich 2017 meine Stute schicken?

Monsun

Der beste deutsche Vollblutdeckhengst aller Zeiten Monsun!

Eine Frage, die in den kommenden Tagen und Wochen wohl viele Züchter noch intensiv beschäftigen dürfte. Viele Stuten beenden zum Saisonende ihre Rennlaufbahn und rücken in die Gestüte/Zucht nach. Auch auf den zahlreichen Vollblutauktionen, die im Herbst stattgefunden haben, dürfte so mancher Züchter seinen Bestand vergrößert und umgestellt haben. Nun gilt es in diesen für Vollblutzüchter schwierigen Zeiten den perfekten Stallion zu finden. Hier spielen neben dem eigenen Geldbeutel natürlich auch andere Aspekte wie Pedigree der Mutterstute, Abfohldatum falls tragend und ob für den eigenen Rennstall oder die Vermarktung auf einer Jährlingsauktion gezüchtet werden soll, eine wichtige Rolle. Da nicht jeder über einen prall gefüllten Geldbeutel verfügt und für den eigenen Bedarf züchtet, wird die richtige Auswahl des Beschälers so schnell zu einer schwerwiegenden Entscheidung. Welcher Vollblutdeckhengst passt zu meiner Stute und zu meinem Portemonnaie? Wie verkaufen sich seine Produkte auf den Auktionen, macht es kommerziell überhaupt einen Sinn Vollblutdeckhengste unter 4.000 Euro für die Zucht einzusetzen? Natürlich spielt die Qualität der eigenen Mütterstute auch noch eine ganz entscheidende Rolle. Hier sollte man versuchen, auch wenn es schwer fällt, die rosa Brille abzunehmen. Schnell besteht die Gefahr vom over- or underbreed der eigenen Stute. Da man als Züchter aber nur in den ersten Jahren die Chance hat eine Zuchtstute als Producer zu formen, sollte man in den ersten 3-5 Jahren entsprechend seiner finanziellen  Möglichkeiten agieren. Gemeinhin gilt die Regel, dass eine Stute unter den ersten 5 Fohlen ihr bestes Produkt bringt. Zwar gibt es auch hier immer wieder Ausnahmen, aber der Markt wird von dieser These bestimmt.
Ist unter den ersten 3-4 Fohlen kein gutes Rennpferd gefallen, ist die Mutterstute kommerzielle für die Zucht verbrannt! Man sollte daher in den ersten Jahren ans Limit gehen und nicht versuchen, am falschen Ende beim Deckhengst zu sparen. Wenn die eigene Mutterstute mit Stallions von Qualität nichts gebracht hat, kann man sich die weitere Nachzucht mit dieser Stute eh ersparen. Hat man zunächst nur mit günstigen Stallions aus der zweiten  und dritten Reihe agiert, bleibt das ungute Gefühl, eine Chance verpasst zu haben und man schießt eventuell noch einmal viel Geld nach, welches auf den Auktionen aber nicht mehr angenommen wird. Bei der Auswahl der Stute fallen wieder diverse Punkte ins Gewicht. Man könnte ganze Bücher über das Picking der richtigen Mutterstute schreiben. In der Vollblutzucht gibt es ruhmreiche Geschichten von Mutterstuten die auf der Rennbahn keinen Blumentopf gewinnen konnten, aber im Gestüt zu wahren Zuchtperlen wurden. Nicht jeder kann es sich leisten, eine Urban Sea in der Zucht einzusetzen. Betrachten wir also einmal kurz die wichtigsten Kriterien für die Auswahl einer Mutterstute aus Sicht eines kleinen Züchters. Zunächst einmal sollte die Zuchtstute gesund und zuchttauglich sein. Die Rennleistung sollte so gut sein, wie es das eigene Portemonnaie  hergibt. Es macht sich für den Verkauf immer gut, wenn die Mutter Rennen gewinnen konnte oder sogar im hohen Ausgleich oder auf Listenebene punkten konnte. Es gibt aber eben auch unzählige Beispiele von ungeprüften Stuten oder eben mit sehr überschaubarem Format die hervorragenden Mutterstuten wurden. Der wichtigste Ansatzpunkt ist daher das Pedigree der Zuchtstute. Je besser und erfolgreicher die Ahnen umso höher die Erfolgsaussichten auf der Rennbahn und im Auktionsring. Gutes Blut kostet aber wieder und so wird der angehende Vollblutzüchter auch hier wieder entscheidend von der Tiefe seines Geldbeutels limitiert. Der im Augenblick aber sehr schwache Markt stellt sich hier für den Käufer von Mutterstuten als sehr chancenreich dar. So sind momentan schon siegreiche Stuten mit guten Rennleistungen und ansprechenden Pedigrees zu Preisen von 2.500 bis 10.000 Euro zu haben, wenn man den weiß wo. Wie gesagt, steht dass Pedigree in der Zucht aus meiner Sicht über allen anderen Auswahlkriterien.  Bereits vor dem Erwerb der Stute sollte man sich intensiv mit den inländischen und europäischen Vollblutdeckhengsten beschäftigen um die Aussichten des anstehenden Matings besser bewerten zu können. So gibt es Stuten, die aufgrund ihres Pedigrees zu sehr vielen Vollblutdeckhengsten gut passen. Leider aber eben auch Stuten, die kaum vernünftig zu verplanen sind. Viele Gestüte bieten hier auf ihren Websites Matingsysteme wie G1 Stallionmatch, enicks, etc. an. Hier kann man die Mutterstute bewerten lassen und es gibt Statistiken, welche die Qualität des Matings mit dem jeweiligen Hengst darstellen. Für viele Stuten gibt es sehr ansprechende Sonderkonditionen also unbedingt vor Kauf einmal die Chancen der Stute durchtesten. Auf Pedigreequerry.com kann man zudem jedes gewünschte 5 Generationenpedigree durchspielen und Inzuchten sowie Linien bewerten. Ein kostenloses Spitzentool, das unbedingt genutzt werden sollte. Um den Rahmen hier jetzt nicht zu sprengen, kommen wir jetzt aber wieder auf den aktuellen Markt zurück. Es ist ein klarer Käufermarkt, wo es möglich ist, mit vergleichsweise überschaubaren Mitteln sehr gute Pferde zu kaufen. Sei es für die Zucht oder den Rennstall. Als Anbieter muss man schon sehr viel richtig machen, um an der Vollblutzucht aktuell seine Freude zu haben.

Lohnt es sich noch Vollblutdeckhengste am Standort Deutschland aufzustellen?

Areion

Auch Champion Beschäler Areion hat am Standort Deutschland schwer zu kämpfen!

Im Zuge des Niedergangs im hiesigen Galopprennsport hat man auch im Züchterlager mit hartem Gegenwind zu kämpfen. Der Bestand von Mutterstuten hat in den letzten Jahren rapide abgenommen und eine mehr als kritische Masse erreicht. Kein Wunder, den wär, möchte sich angesichts dramatisch gefallener Wettumsätze auf den Galopprennbahnen, Rennbahnsterben, Konzeptlosigkeit und katastrophaler Auktionsergebnisse sowie täglich gestreuter Hiobsbotschaften  noch in der Vollblutzucht engagieren. Was die inländischen Auktionen angeht, kann man schon von einem nicht mehr existenten Markt sprechen. Bis auf wenige Top-Adressen, die weiterhin annehmbare Preise für ihre Produkte erzielen, ist es für kleine Züchter und Gestüte aus der zweiten Reihe kaum noch möglich kostendeckende Preise für ihre angebotenen Jährlinge zu erzielen. Ja man muss sogar einen Schritt weiter gehen und sagen ihre Nachzuchten sind am Markt unverkäuflich! So werden Jährlinge, deren Mütter zu einer Decktaxe von 5.000 Euro bedeckt worden sind, zu Schleuderpreisen von 6.000 Euro und weit darunter feilgeboten. Die Kosten für Tierarzt, Aufzucht, Transport und Auktionsgebühren etc. sind damit nicht annähernd gedeckt. Um die ganze Angelegenheit einigermaßen profitabel zu gestalten, ist als Verkaufserlös ein Faktor vom 4-5 Fachen der gezahlten Decktaxe anzusetzen. Ein Wert, den aber nur wenige Vollblutdeckhengste auf dem deutschen Markt im Auktionsring erzielen. So bleibt dann nur noch die Hoffnung, dass der Jährling im Lande verbleibt und sich gut entwickelt, um über Züchterprämien einen Teil des Verlustes wieder einzuspielen. Doch nur allzu häufig zerplatzt auch diese Seifenblase und die Jährlinge werden zu Schnäppchenpreisen an ausländische Klienten verkauft. Jetzt ist auch noch diese Einnahmequelle versiegt. Der mit viel Mühe und Herzblut aufgezogene Jährling oder Absetzer wird umbenannt und verschwindet vom Radar der Öffentlichkeit. Selbst um die eventuelle Reputation als Zuchtstätte ist der passionierte Vollblutzüchter somit gebracht.

Vollblutdeckhengste der zweiten und dritten Garnitur ( Decktaxen unter 4.000 bis 5.000 Euro) sind besonders hart vom schwierigen Marktumfeld betroffen!

Hier lohnt die Zucht nur noch für den eigenen Rennstall oder als Besitzertrainer. Die Nachkommen von Vollblutdeckhengsten unter dieser Schallmauer sind im aktuellen Marktumfeld nicht kostendeckend wenn überhaupt zu verkaufen. Ein Blick auf die aktuellen Auktionsergebnisse stellt diese Situation schonungslos dar. Zurückgekauft ist hier das Zauberwort, welches das Scheitern am Markt hübsch kaschiert! Alles unter 12.000 Euro lohnt eh die Mühen und Strapazen sowie erheblichen Risiken der Zucht nicht. Wer Vollbluthengste unter dieser wichtigen Benchmark zur Zucht einsetzt, wird vom Markt mit fast tödlicher Sicherheit finanziell hart bestraft. Sicher gibt es auch hier immer mal wieder einen Ausreißer nach oben, aber der, ist im Verhältnis fast dem Sechser im Lotto gleichzusetzen. Von den rund 60 in der deutschen Vollblutzucht eingesetzten Beschälern tummelt sich ein Großteil im unteren Preisbereich. Wer nicht gerade nach einer erfolgreichen Rennkarriere als Gruppe I Sieger als Freshman-Sire  debütiert oder auf eine bereits erfolgreiche Gestütslaufbahn mit vielen Listen- und Gruppensiegern verweisen kann, hat es bei den Stutenbesitzern und am Markt schwer.  Diesen Trend hat man natürlich auch schon seitens der Gestüte erkannt und so starten die First Season Sires Lucky Lion (5.000 Euro), Protectionist (6.500 Euro), Ito (5.000 Euro) oder auch der aktuelle Derbysieger Isfahan (4.000 Euro) gleich innerhalb oder kurz über dieser Preisgrenze. Eine Marge, mit der sowohl das Gestüt als auch die Mutterstutenbesitzer noch leben können und die eine kommerzielle erfolgreiche Vermarktung der Nachkommen in Aussicht stellt. Nur Guiliani startet mit 3.500 Euro gleich eine Nummer tiefer. Er dürfte zunächst den schwersten Stand haben.

Die Spitzengruppe der deutschen Vollblutdeckhengste ist nach Zahl der rentablen Bedeckungen gesehen sehr dünn.

Deckhengst Soldier Hollow

Soldier Hollow hat sich als Beschäler einen Namen gemacht!

Doch der geringe Bestand an Zuchtstuten lässt eine bessere Auslastung selbst der Spitzenstallions nicht zu. Wer einen wirklich versprechenden Vollblutdeckhengst mit sehr guten Papieren und entsprechender Rennleistung aufstellt, hätte schon gerne so um 70 Bedeckungen für seinen Stallion. Sollten sich diese Zahlen nicht darstellen lassen oder kommen Zweifel an der Machbarkeit auf, wird der junge Beschäleraspirant lieber gleich im Ausland aufgestellt oder wandert nach einem kurzen Intermezzo ab. Da die deutschen Stutenbesitzer auch sehr preissensibel sind, muss der Stallionbesitzer auch bei der Decktaxe zunächst Abstriche machen, wenn er denn auf dem deutschen Markt Fuß fassen will. Vor diesem Hintergrund muss die aktuelle Versorgung mit Vollblutdeckhengsten und ihre Qualität als hervorragend bezeichnet werden! Wir sind im Vergleich zur Gesamtpopulation sogar einem Überangebot ausgesetzt. Allen Hengsthaltern, die sich in diesen schwierigen Zeiten der Herausforderung stellen und weiterhin Beschäler von hoher Qualität für die deutschen Züchter bereithalten, gebührt an dieser Stelle ein aufrichtiger Dank! Besonders gut ist traditionell die Versorgung mit Vollblutdeckhengsten, welche die Distanz von 2000-2400 m abdecken. Hier ist Deutschland eine Macht, wie auch die jüngsten Zuchterfolge eindrucksvoll belegen. Was wirklich einmal fehlt, wäre ein Spitzensprinter von internationaler Ausnahmeklasse sowie ein sehr guter Meiler. Hier hat der Tod von Big Shuffle schon eine Lücke hinterlassen, welche nur schwer zu schließen ist. Zumindest konnten seine Nachkommen in Events bis zur Gr.II Klasse gut mithalten. Sein Sohn der so hoffnungsvoll gestartete Pomellato wurde jetzt gleich wieder zum zweiten Mal nach Frankreich überstellt, da die Nachfrage zu gering war. Auch Areion als weiterer profilierter Big Shuffle Sohn hat trotz sehr guter Referenzen andauernd um die Gunst der deutschen Züchter zu kämpfen. Sie warten anscheinend auf etwas anderes aber ein Dark Angel, Kodiac oder Oasis Dream sind für den deutschen Markt nicht in Sicht. Für diese Distanzen zwischen 1200-1600 m wäre sicher noch ein Plätzchen zu finden, aber aufgrund des schwierigen Umfelds dürften Hengstbesitzer dankend ablehnen.

An der Spitze steht hier mit 112 Bedeckungen in 2016 Maxios der im Gestüt Fährhof seine Dienste verrichtet. Hinter ihm steht ein mächtiges Turfsyndikat des Who is Who im deutschen Turf, was auch ein wenig seine hohe Auslastung erklärt. Wobei natürlich auch Fährhof als deutsches Vorzeigegestüt einigen Anteil hat. Als Sohn des deutschen Jahrhundertvererbers Monsun ruhen große Hoffnungen auf seinen Schultern, da seine prominenten Vorgänger Getaway, Samum, Manduro sowie Shirocco & Co. bisher die zurecht hohen Erwartungen nicht erfüllen konnten. Sie wurden inzwischen teilweise in die National Hunt Zucht abgeschoben und decken dort zu für hiesige Verhältnisse hohe Decktaxen Riesenbücher von bis zu 300 Stuten! Was für Maxios spricht, ist das er anders als viele Monsun Nachkommen seine Idealdistanz wohl zwischen 1600 bis 1800 m hatte. Die meisten Monsun´s werden erst bei 2400 m so richtig warm, was sich ja auch in diversen Siegen über eben diese Distanzen und weiter widerspiegelt. Mütterlicherseits lässt sein Pedigree auch kaum Wünsche offen. Er könnte vielleicht wirklich in die gewaltigen Hufstapfen seines Vaters Monsun treten. Die nötige Unterstützung hat Maxios im Vergleich zu vielen deutschen Stallions jedenfalls. 2017 könnte die Luft aber schon etwas dünner werden. Mit Protectionist  betritt ein ganz prominenter Monsun-Sohn für deutlich günstigere 6.500 Euro Decktaxe die Beschälerbühne, während für Maxios Dienste 10.000 Euro aufgerufen werden.  Viele Züchter werden nun wohl auch erst einmal abwarten, wie sich die Nachkommen auf der Rennbahn bewähren. Somit dürfte es zumindest schwer werden, auch 2017 wieder über 100 Stuten ins Buch von Maxios zu bekommen. Wer den Weg ins Ausland nicht scheut, findet im französischen Haras du Logis mit Masterstroke für nur 3.000 Euro eine vielversprechende Alternative. Der Monsun Sohn aus der Melikah die von Lammtarra aus der Ausnahmestute Urban Sea abstammt, könnte kaum besser gezogen sein! Seine Mutter Melikah war immerhin in den Irish Oaks Gr.I und dem englischen Pedant ebenfalls Gr.I platziert. Seine ersten Nachkommen sind 2017 zweijährig. Masterstroke war auch 3. im Arc und Gruppe II Sieger über 2500 m.  Es dürfte schwer werden, für diesen Preis besseres Blut zu bekommen.

Den zweiten Rang nimmt nach dem Abgang von Darbirsim der im Gestüt Auenquelle stationierte Soldier Hollow mit 96 Bedeckungen ein. Nach Höhe der für 2017 aufgerufenen Decktaxe von 25.000 Euro steht Soldier Hollow unangefochten auf Rang 1. Da aber auch schon im Jahr 2016 gehörig an der Preisschraube für die Dienste des In The Wings Sohns geschraubt wurde, ist diese Zahl als herausragend zu bewerten. Soldier Hollow bringt alles mit, was der Markt von einem Stallion heute erwartet. Er war ein Rennpferd von Spitzenklasse und wurde sehr lange und hart bis siebenjährig auf der Rennbahn geprüft. Auch als Stallion wurde im zunächst nichts geschenkt und er musste sich aus bescheidenen Anfängen über hervorragende Nachkommen wie Pastorius & Co. hocharbeiten. Soldier Hollow vererbt sowohl Frühreife wie Härte, Speed und auch das nötige Stehvermögen. Der Championbeschäler ist auch auf den Auktionen sehr gefragt und seine Produkte lassen sich für Züchter, wenn sie den die geforderte Decktaxe aufbringen können gut verkaufen. Soldier Hollow dürfte momentan auf dem Höhepunkt seiner Beschälerlaufbahn stehen. Die Decktaxe von 25.000 Euro könnte aber die eine oder andere Stute kosten.

Den dritten Rang ( 66 gedeckte Stuten) unter den meistgebuchten deutschen Vollblut Deckhengsten, nimmt Gestüt Röttgens Reliable Man ein. Dieser prächtige Schimmelhengst wurde auch vom deutschen Markt bereits sehr gut aufgenommen und seine Jährlinge sind stark nachgefragt. Reliable Man wird als Shuttle Stallion auch noch in Neuseeland eingesetzt, wo er bereits ohne Nachkommen auf der Bahn zu haben, ein wahrer Superstar ist. Seine Nachkommen werden dort bis zum 20fachen der umgerechnet 9200,00 Euro Decktaxe ,die man auf den Tisch des Westbury Stud legen muss, verkauft. Reliable Man war ein Spitzenpferd über Distanzen um 2000 m und stammt von Dalakhani aus der On Fair Stage v. Sadler´s Wells. Deutschen Züchtern wird also bei einer Decktaxe von 6.000,00 Euro ein wahres Schnäppchen offeriert, wenn man den das nötige Kleingeld hat. Da zudem in Neuseeland die ersten Nachkommen die Rennbahn betreten, könnte hier die letzte Chance sein, diesen Klassehengst 2017 noch günstig zu buchen.

Amaron hat als Neuling in 2016 gleich den 4. Rang mit 56 gedeckten Stuten einnehmen können. Das Traditionsgestüt Etzean und der Vater Shamardal dürften daran sicher einigen Anteil haben. Sprünge von Shamardal sind am freien Markt nicht mehr zu bekommen. Die Dienste des Stallion werden unter den Eignern aufgeteilt und selbst bekannte Adressen gehen leer aus. Somit konzentriert sich das öffentliche Interesse zunehmend auf die in letzter Zeit zunehmend ins Gestüt nachrückenden Söhne des Giant´s Causeway Sohnes. Sharmadal war Champion-Zweijähriger und Champion-Miler in Europa. Sein Sohn Lope De Vega war der Top Dreijährige in Frankreich und konnte sich auch bereits als Stallion stark profilieren. Somit scheint Shamardal auch als Sire of Sires seinen Weg zu machen. Diese Tatsache erhöht natürlich ebenfalls die Nachfrage für seine Söhne. Amaron konnte in Italien auf Gruppe I Ebene im Premio di Capua punkten. Weitere Gruppensiege  runden den Rennrekord des hiesigen Champion Meilers ab. Für 4.500 Euro sind seine Dienste angemessen bewertet. Auch er trägt die Fuchsfarbe wie Giant´s Causeway und Lope De Vega, der als Shamardal Sohn für 50.000 Euro seine Dienste anbietet und kaum zu bekommen ist! Ich komme an dieser Stelle aber nicht umhin noch für zwei weitere Shamardal Söhne zu werben. Der eine ist Mukhadram, der im Shadwell Stud für 7.000 Pfund angeboten wird. Seine ersten Nachkommen sind die Jährlinge von 2017 und man darf schon auf die Reaktionen am Markt gespannt sein. Die perfekt ausbalancierte braune Hengst war bei 16 Starts 14 x unter den ersten Vier! Er hat eine Gewinnsumme von über 1,9 Mio. Pfund. Mukhadram gewann unter anderem die Coral Eclipse Stakes Gr.I . Er ist 4 x 4 auf Mr. Prospector ingezogen, was seiner Vererbungskraft sicher nicht schaden dürfte. Fazit: Mukhadram ist nicht ganz billig, aber eine gute Alternative. Kommen wir nun aber noch zu meinem absoluten Favoriten unter den Deckhengstdebütanten 2017. Dariyan! Dieser Shamardal Sohn hat für mich das Potenzial in die Hufstapfen seines Vaters zu treten. Er hat eine Figur wie ein Preisboxer. Knochentrocken, kräftige Schulter und Halsung und eine Hinterhand wie ein V8! Die Größe beträgt perfekte 15,3hh. , da fast alle Ausnahmebeschäler keine Riesen waren. Aus einer der besten Mutterlinien des Aga Khan. Die Mutter Daryakana gewann die Hong Kong Vase Gr.I und war eine Spitzenrennstute. Die 2. Mutter Daryaba war Champion 3 year old filly in France 1999! Was will man mehr. Dariyan konnte den Prix Ganay Gr.I gewinnen und war 3 bis 4 jährig mehrfach auf höchsten Gruppelevel platziert. Die 8.000 Euro, welche im Haras de Bonneval verlangt werden, sind angemessen. Fazit: Ein Hengst dem ich zutraue, zu einem der künftigen Spitzenbeschäler weltweit aufzusteigen. Noch ein absoluter Geheimtipp.

Kamsin  konnte mit 54 Stuten in 2016 und 49 Bedeckungen in 2015 bereits sehr ansprechende Bücher decken. Nach seinen Stationen im Gestüt Ohlerweiherhof und Röttgen wechselt der Samum Sohn aus der Klassestute Kapitol aber in der kommenden Decksaison nach Frankreich. Dort ist die Nachfrage laut Meldungen sehr hoch. Wer googelt, findet aber noch entsprechend wenige News und Vermarktungshinweise. Es bleibt zu hoffen, das dieses Abenteuer gut ausgeht. Sehr schade aber auch Kamsin ereilt das Schicksal eines Stallion´s aus der zweiten Reihe! Ab nach Frankreich und das trotz ansprechender Bücher.

Pastorius hatte bisher mit 32 Bedeckungen in 2015 und einem Anstieg auf 50 Stuten in 2016 einen guten Einstand in seine Karriere als Vollblutdeckhengst. Der berühmte Fährhof und sein in Deutschland so erfolgreicher Vater Soldier Hollow haben ihm sicher den Weg entsprechend geebnet. Für alle Züchter, denen die 25.000 Euro für einen Soldier Hollow zu teuer sind, ist Pastorius eine sehr gute Alternative. Der makellose Braune sollte 2017 weiterhin in der Gunst der Züchter vorne mit dabei sein. Hier passen Rennleistung, Pedigree, Decktaxe (6.000 Euro) und Standort für eine erfolgreiche Beschälerlaufbahn perfekt miteinander zusammen.

Adlerflug hat sich am für einen Stallion sehr schwierigen Standort Bad Harzburg selber gemacht! Dem prächtigen bunten Fuchshengst ist 2016 so richtig der Durchbruch gelungen. Pferde wie Ito, Iquitos, Savoir Vivre, Meergörl, Shivajia, oder Moonshiner sollten als Referenzen sicher ausreichen. Er hat das Zeug zum Stallion Number One in Deutschland aufzusteigen. Seine Decktaxe wurde von 6.000 Euro auf 12.000 Euro am neuen Standort Schlenderhan verdoppelt! Angesichts seiner Erfolge eine logische Konsequenz. Nun ist Adlerflug aber außerhalb der Reichweite vieler kleiner Züchter angelangt. Die Chance war da! Wer sie nicht genutzt hat, dürfte nun erstaunt und ein wenig enttäuscht dar stehen. Hier hat In The Wings mal wieder als Sire of Sires ein Meisterstück hinterlassen. Es ist wohl fraglich, ob Adlerflug jemals wieder an seine alte Wirkungsstätte in Harzburg zurückkehren wird.  Auch von der Vermarktung wird Adlerflug nun wesentlich besser unterstützt, wie eine Anzeige im Weatherbys Stallionbook 2017 belegt. Ein Stallion der sich anschickt ein neuer Monsun zu werden, auch wenn man mit solchen Äußerungen sehr vorsichtig umgehen muss. Wer die 12.000 Euro sowie eine passende Mutterstute sein eigen nennt, sollte sich jetzt aber sputen. Die Dienste für Adlerflug könnte schon bald sehr viel kostspieliger werden. Einzig die Nachfrage nach Adlerflug ist bisher doch eher als enttäuschend zu bezeichnen. Nur 47 Stuten in 2016 und gar nur 43 Bedeckungen im Jahr 2015 sind für einen Beschäler seiner Klasse einfach viel zu wenig. Bleibt zu hoffen das am neuen Standort und mit der höheren Decktaxe jetzt die Rakete so richtig zündet und der Adler zum Steigflug ansetzt.

Lord of England

Lord Of England beim winterlichen Gestütsbesuch in Etzean. Er ist einer der besten deutschen Vollblutdeckhengste.

Der Etzeaner Stallion Lord Of England gehört schon seit einigen Jahren zu den besten Vollblutdeckhengsten in Deutschland. Der Fuchshengst war ein guter Zweijähriger und konnte als Dreijähriger den Großen Dallmayr-Preis Gr.I über 2000 m gewinnen. Lord Of England ist ein Vollblutdeckhengst der Sieger auf jeder Distanz und in jeder Altersgruppe zeugen kann. Die Liste seiner hoch erfolgreichen Nachkommen reicht vom Winterfavoriten über den Derbysieger, die Dianasiegerin bis hin zur St. Leger Siegerin. Ein Stallion der seine Produkte stempelt und man sieht vielen Nachkommen den Vater auf den ersten Blick an. Leider werden seinen Nachkommen immer wieder mangelnde Härte und ein etwas schwieriges Temperament vorgeworfen. Bleibt die Frage, was diese Leute wollen. Ein Streichelpony mit Ausgleich IV. Format oder hochklassige Galopper die auf höchster Ebene punkten. Bedauerlicherweise wird auch Lord Of England für einen Stallion seiner Klasse viel zu wenig von den Züchtern nachgefragt. Auch er leidet unter den zu geringen Mutterstutenbestand in Deutschland. Auch im Auktionsring ist Vorsicht geboten. Die Hengstjährlinge verkaufen sich sehr gut und erzielen häufig 40.000 Euro und mehr. Die Stuten sind auch wenn gut gezogen und von prächtiger Statur weniger stark gefragt. Da kann man auch schon einmal ein echtes Spitzenmodell für knapp über 10.000 Euro ersteigern. Für mich aber ganz klar einer der Besten am Standort Deutschland. Die Decktaxe wurde nach einer überaus erfolgreichen Saison 2016 auf faire 7.500 Euro angehoben. Ein Hengst, der deutlich mehr als die 47 in 2016 gebuchten Stuten verdient hat.

Vollblutdeckhengste die überrascht haben!

Jukebox Jury ein Sohn des großartigen Montjeu in Deutschland.

Jukebox Jury ein Sohn des großartigen Montjeu in Deutschland.

Ein weiterer Etzeaner Stallion gehört für mich zu den Überraschungen in 2016! Jukebox Jury ist der Name. Der hübsche Schimmel stammt vom Weltklasse Vererber Montjeu. Ein Vollblutdeckhengst den ich obwohl direkt vor Ort begutachtet (siehe Foto) nicht auf dem Radar hatte. Jukebox Jury war ein sehr guter Zweijähriger und unter anderem 2. in der Racing Post Trophy Gr.I . Jukebox Jury wurde in vier Rennzeiten hart geprüft und konnte 5 jährig sogar das Irish St. Leger gewinnen. ER verfügte über eine enorme Variabilität und war auf Distanzen von 1600 bis 3000 m in seinem Element. Zudem hat Jukebox Jury einen gewaltigen Endspeed und große Kämpferqualitäten.  Seine Nachkommen sind bereits sehr erfolgreich auf der Rennbahn unterwegs. Bestes Produkt ist bisher Royal Flag, der imponierend das Münchener Auktionsrennen gewinnen konnte. Dabei wirkt der junge Hengst, der die Schimmelfarbe von seinem Vater geerbt hat, noch sehr sehr grün. Gleich mehrfach musste Royal Flag im Rennen seine Beine sortieren. Aber wenn dieser gewaltige, mit einer raumgreifenden Galoppade ausgestattete Schimmel, erst einmal ins Rollen kommt, ist er nur sehr schwer zu schlagen. Einer meiner Favoriten fürs Derby 2017.  Weitere hoch veranlagte Zweijährige scheinen Epako, Sexy Juky, Vive Marie und Frangipani zu sein. Seine Nachkommen sollten 2017 als Dreijährige für Furore sorgen. Auch hier sollte es sich lohnen, die 5.500 Euro die in Etzean für Jukebox Jury verlangt werden, schleunigst zu investieren. Mit 45 Bedeckungen in 2016 sowie 64 in 2015 hat der Hengst auch einige Eisen im Feuer.

Zwei weitere Stallions die mich positiv überrascht haben, was die Zahl ihrer Bedeckungen in 2016 angeht, sind Nutan und Feuerblitz.

Feuerblitz hat selbst nur 3.000 Euro auf der Auktion gekostet! Er ist also eine dieser seltenen Cinderella Storys.  Auch schon sein Erzeuger Big Shuffle hatte es nicht immer leicht, obwohl mehrfacher deutscher Championbeschäler und fast Dauerabonnement  auf den Sieger im Preis des Winterfavoriten und wichtiger Zweijährigenrennen. Auch sein Pedigree war irgendwie nie so richtig in Mode obwohl er gerade mit Sadler´s  Wells und dessen Söhnen hervorragend funktioniert. Deutschland ist für Sprinter ein hartes Umfeld. Feuerblitz ist nun der erste echte Steher von hohem Format, den Big Shuffle in der Zucht hinterlassen hat. Da sich viele seiner Söhne trotz geringer Chancen und Nachfrage gut vererben, kann man also auf das Debüt von Sieger des Premio Roma Gr.I  über 2000 m, Derby Italiano Gr.II über 2200 m sowie Zweiter im Preis von Europa Gr.I und Großer Preis von Bayern Gr.I beide 2400 m sehr gespannt sein. Da seine Decktaxe mit 2500 Euro unter der besagten Schallmauer liegt, dürfte Feuerblitz eher für Züchter interessant sein, welche die Nachkommen selber laufen lassen. Auf den Auktionen sollten sich die Nachkommen zumindest am Anfang nur sehr schwer verkaufen. Ein Hengst, der seine Chance verdient hat und mit einem Buch von 29 Stuten im Gestüt Paulick überrascht hat. Feuerblitz steht 2017 im Union Gestüt zur unveränderten Decktaxe von 2.500 Euro zu Verfügung.

Auch im Vollblutgestüt Lindenhof wird man auf den Auktionen, was die Verkaufserlöse von Jährlingen angeht selten verwöhnt. Das man mit Nutan einen Derbysieger aufstellen konnte, ist da schon ein großer Erfolg. Der riesige und temperamentvolle Nutan war in seiner kurzen Rennkarriere bei nur fünf Starts immer unter den ersten Drei. Er gewann das Deutsche Derby Gr.I und war Zweiter im Grossen Preis von Berlin Gr.I sowie Dritter in der Union Gr.II. Nutan stammt vom sehr guten Duke Of Marmelade, der inzwischen nach Südafrika verkauft wurde. Ein etwas ausführlicheres Portrait ist unter dem Beitrag "Galopprennen Hamburg! Quasillo vor Comeback?" auf www.pferdewettenblog.de zu lesen. Mit 27 Bedeckungen sollte Nutan zumindest einige Chancen haben, sich zu bewähren. Bleibt zu hoffen, dass auch in 2017 zu 3.500 Euro wieder einige Züchter Nutan ihr Vertrauen aussprechen. Auch Nutan werden aber wieder aus Züchterkreisen mangelnde Härte und gesundheitliche Probleme vorgeworfen. Andere schreckt seine kolossale Größe ab. Die Zeit wird zeigen, wer hier recht bekommt. Wenn Nutan nur ein wenig von  Duke Of Marmelade hat, könnte er auch als Sire für eine Überraschung sorgen.

Die größten Enttäuschungen 2016 waren Areion und Pomellato!

Halt! Jetzt nicht gleich einen Schreck bekommen. Beide Beschäler haben selbst nicht auch nur das Geringste verkehrt gemacht. Areion musste sich aus kleinsten Anfängen selbst machen und wurde vom Markt nie richtig angenommen. Seine Produkte verkaufen sich trotz beachtlicher Erfolge wie Championbeschäler, Zweiter Deutsches Beschäler Championat hinter Soldier Hollow! Zweiter nach Gewinnsumme über 1,1 Mio.(aktuell!) ebenfalls hinter Soldier Hollow nur sehr schleppend. Auf den aktuellen Auktionen gingen viele optisch hervorragende Produkte wieder zu Preisen unter 20.000 Euro weg oder wurden zurückgekauft. Ein fast schon kurioser Umstand. Nach einem herausragenden Jahr 2015 wurde seine Decktaxe zwar leicht auf 9.500 Euro angehoben, aber nur 29 Bedeckungen in 2016 nach 31 in 2015 sind für einen Beschäler dieser Klasse einfach ein Witz! Auch was die Erfolge seiner Nachkommen 2016 angeht, braucht sich Areion nichts vorzuwerfen. Sieger wie Palace Prince, Shy Witck, Dhaba, Articus, Devastar, Arazza, Iraklion oder Global Storm sollten wohl als Referenzen völlig ausreichen. Auch wenn Areion vielleicht nicht das Überpferd schlechthin im Köcher hat, so stellt er doch beständiger und häufiger als alle anderen Hengste gute Gruppe II+III Pferde. Leider hat der Big Shuffle Sohn keine große Fangemeinde und wird auch nicht mit Topstuten unterstützt. Alles in allem sehr schade für diesen sehr guten Beschäler. Die 9.500 Euro sind keinesfalls zu teuer für so viel Qualität. Das Problem liegt darin, dass sich die Nachkommen schlecht verkaufen und somit nur wenige Züchter die hohe Decktaxe bezahlen wollen. Züchter, die aber ein gutes Pferd für den eigenen Rennstall züchten möchten, sind bei Areion goldrichtig.

Pomellato

Pomellato ging der deutschen Vollblutzucht nun schon zum zweiten mal verloren.

Pomellato ist eine noch heftigere Geschichte, die mir fast die Zornesröte ins Gesicht treibt! Unter der Rubrik Stallions finden Sie alle nötigen Informationen, die ich auf www.pferdewettenblog.de zu diesem Deckhengst verfasst habe.

Hier noch einmal in Kürze eine kleine Einführung. Der Big Suffle Sohn Pomellato war Championzweijähriger in Deutschland 2007. Nach einem kurzen Gastspiel in Frankreich wo die Nachfrage sowie das Management des Hengstes aber sehr überschaubar waren, folgte ein kurzes Zwischenspiel am sehr schwierigen Standort Bad Harzburg.  Dann in den Iran verkauft und anscheinend für immer verloren. Doch sein einziger Minijahrgang schlug ein wie eine Bombe! 75 % Black Type Performer. Ein Wert den selbst Giganten wie Galileo und Co. nicht erreichen. Dann zurückgekauft und im Gestüt Westerberg aufgestellt. Nach dem furiosen Auftakt hätte man jetzt eigentlich denken können, dass die deutschen Züchter Herrn Rode die Bude einrennen, doch weit gefehlt. Da Pomellato 2015 erst spät aus dem Iran zurückkam und beworben werden konnte, brachte es der wundervolle Schwarze nur noch auf 13 Bedeckungen. Man konnte wohl auch denken, dass die Stuten schon fest verplant waren. Aber Pomellato ist wohl ein Fall wie Areion. Auch 2016 waren nur lächerliche 31 Züchter bereit die aufgerufenen 5.000 Decktaxe für die Dienste von Pomellato zu entrichten. Sehr enttäuschend ist für mich in diesem Zusammenhang, dass auch gerade die großen Züchter und Gestüte fast jegliche Unterstützung vermissen ließen. Ein aktiver Förderer war das Vollblutgestüt Jettenhausen, wo sich jetzt 3 hoffnungsvolle Pomellato Youngsters auf den Koppeln tummeln. Auch bei den Besitzern von Pomellato saß der Stachel der Enttäuschung wohl sehr tief. Als entsprechende Angebote aus Frankreich kamen wurde beschlossen, Pomellato 2017 im Haras du Thenney aufzustellen. Seine Decktaxe beträgt weiterhin 5.000 Euro. Bleibt noch zu erwähnen das die Stute Tilara immerhin 5-fache Siegerin, noch zuletzt im Ausgleich II in Dresden erfolgreich war. Die Pomellatos können alle laufen und die Qualität der bisherigen Mutterstuten kann man auch beim besten Willen eher nur als bescheiden ansehen. Es stellt sich hier wirklich die Frage, zu was dieser Stallion bei entsprechender Unterstützung der deutschen Vollblutzüchter fähig gewesen wäre. Vielleicht hat die deutsche Zucht hier ihren Pivotal verloren?!

Zu den anderen Stallions finden Sie noch einmal eine kurze Einschätzung im Blogarchiv von www.thoroughbredauctioneer.com unter "Vollblut-Deckhengste Deutschland für die Decksaison 2016".

Da selbst Vollblutdeckhengste von hoher Qualität zurzeit mit dem Rücken an der Boxenwand stehen, was die Bedeckungszahlen angeht und um jede Stute kämpfen müssen, zeigt sich eindrucksvoll, wie schwierig es die Hengsthalter in Deutschland bei der Vermarktung haben. Hier ist es für mich aber umso unverständlicher, dass einige Gestüte und Hengsthalter auch noch in der heutigen Zeit keinen eignen oder vernünftigen Internetauftritt für ihren Stallion oder ihr Gestüt haben. Wenn man dann Informationen findet, sind diese hoffnungslos veraltet oder unvollständig (Stallion bereits abgetreten oder Decktaxe falsch). Auch landet man beim Googeln häufig auf Baustellenseiten oder Portalen von Drittanbietern. Hier sollten sich die Beteiligten schon ein paar Gedanken  machen und etwas mehr Mühe bei der Bewerbung ihrer Vollblutdeckhengste geben. Im Netz tummeln sich fast alle namhaften Gestüte und schon mit wenigen Klicks ist der eventuelle Interessent beim nächsten Deckhengst. Da ist die Webseite, welche das Gestüt Park Wiedingen für Soldier Hollow eingerichtet hat, schon ein kleines Kunstwerk und leuchtendes Beispiel, wie man einen Stallion ansprechend in Szene setzen kann.

Aber auch Darius Racing gibt sich als Hengsthalter/Besitzer sehr engagiert und legt für seine Vollblutdeckhengste Dabirsim und Isfahan sehr ansprechende Züchterprämienprogramme auf, welche sicher nicht schaden die Bücher der beiden Vollblutdeckhengste zu füllen. So kam Dabirsim, als er noch in Deutschland aufgestellt war, durch eine sehr professionelle Vermarktung auf Bücher von über 100 Stuten je Decksaison. Hier müssen die Hengsthalter im aktuellen Markt halt richtig klotzen und mit kreativen Konzepten werben, um ihre Vollblutdeckhengste an den Züchter zu bringen. Die Zeiten, in denen es ausreichte einen auf der Rennbahn erfolgreichen Deckhengst auf die Koppel zu stellen sind längst vorbei.

Deutsche Vollblutdeckhengste sind im Ausland und besonders in Frankreich heiß begehrt!

Da der aktuelle Mutterstutenbestand in Deutschland nur wenigen Vollblutdeckhengsten die Bücher füllt, stoßen Anfragen aus Frankreich und Co. auf reges Interesse bei hiesigen Hengstbesitzern. Wenn man die Lage genauer betrachtet, kann man die Entscheidung der Hengstbesitzer nur zu gut verstehen, wenn sie versuchen ihren Stallion im Ausland besser auszulasten oder ihn gar gewinnbringend verkaufen. Der deutsche Markt ist momentan zu eng für das Angebot an Vollblutdeckhengst und die nachrückenden Aspiranten. Nur allein die Tatsache, dass einzelne japanische Großbesitzer mehr Mutterstuten ihr eigen nennen, als die Gesamtpopulation der zur Zucht genutzten Stuten in Deutschland beträgt, belegt eindrucksvoll die Situation. Der Markt wird, wie Statistiken belegen, fast ausnahmslos von kleinen Besitzern mit 1 Zuchtstute (fast 65 %) oder maximal 2 Mutterstuten (rund 18 %) getragen.

Deckhengst Acatenango

Eine Legende im deutschen Galopprennsport Acatenango

Hier wird häufig mit Passion und Liebe zum Galopprennsport agiert und die eigene Stute nach erfolgreicher Rennlaufbahn in die Zucht genommen. Das nötige Geld um Top-Stallions zu buchen ist aber nur selten vorhanden oder es erscheint aufgrund mangelnder Qualität der Mutterstute wenig sinnvoll. Da dürfte es schwer werden, in absehbarer Zukunft Vollblutdeckhengste von hoher Qualität im Lande zu halten. Auch viele Gestüte haben ihre Zuchtbestände bereits zurückgefahren oder gänzlich die Segel gestrichen! Hier ist es schon ein kleiner Erfolg, dass sich die Zahlen der aktiv in der Vollblutzucht genutzten Mutterstuten in den letzten beiden Jahren auf sehr niedrigem Niveau stabilisieren konnten. Doch Vorsicht, viel weniger wäre fast schon das Aus. Da der Niedergang Hand in Hand mit dem dramatischen Einbruch der Wettumsätze sowie schwierigen  Lage der Rennvereine einhergeht, muss insgesamt wohl nach einer großen Lösung gesucht werden, sich wieder aus diesem Abwärtsstrudel zu befreien. Da auch Irland wieder die Feuer der Maschinen seiner gewaltigen Zuchtindustrie mächtig angeworfen hat, dürfte auch von dieser Seite vermehrt Druck auf die deutschen Züchter zukommen. Die Nachfrage der aufkommenden Rennsportnationen wie beispielsweise China kann momentan auch für keine deutliche Belebung auf dem deutschen Vollblutmarkt sorgen. Hier wäre es vielleicht einmal angebracht, einen Fuß in die Tür zu stellen. Nur die Australier haben ihre Liebe zu deutschen Vollblütern so richtig entdeckt. Sie kaufen aber leider lieber geprüfte und gestandene Galopper der ersten Garnitur, anstatt den hoffnungsvollen Nachwuchs der kleinen Züchter auf den Jährlingsauktionen.

Gerade in Frankreich haben viele Gestüte Geschmack an deutschen Vollblutdeckhengsten gefunden, wie die jüngsten Abgänge von DabirsimPomellato, Kamsin, oder It´s Gino belegen. Der riesige Bestand an Mutterstuten und die im Vergleich zu Deutschland guten Rahmenbedingungen tragen diese Expansion voran. Auch hatte man in den letzten Jahren die Abgänge von Beschälerlegenden wie Linamix oder Anabaa zur verkraften und ist jetzt um eine Neuausrichtung bemüht. Mit Stallions wie Le Havre, Siyouni und Kendargent hat man schon wieder einige heiße Eisen im Feuer, doch schreit auch der französische Stallionmarkt stets nach frischem Blut. Jetzt ist man in Irland fündig geworden. Aufgrund der großen Nachfrage seitens französischer Züchter konnte von Ballylinch Stud für die Decksaison 2017 der Weltklassesprinter Dream Ahead angeworben werden. Er wird zunächst für 1 Jahr zu Verfügung stehen. Seine Decktaxe beträgt 12.500 Euro. Dream Ahead war als Sprinter absolute Extraklasse. Sein Gestütseintritt erfolgte zu 17.500 Euro und bisher zeichnet sich trotz einiger Sieger unter anderem auf Gruppe 2 Parkett noch kein fulminanter Durchmarsch als Sire ab. Auch sein Vater Diktat hat ordentlich zu kämpfen, kann aber immer mal wieder ein gutes Pferd stellen. Hier geht es Dream Ahead wie vielen Sprintern zuvor. Ihre Pedigrees sind enorm schwer zu greifen, da sie doch sehr von der Norm abweichen, wo es schon genügend Statistiken gibt. Auch mit einem Dark Angel konnte man zunächst wenig anfangen. Der Vollblutdeckhengst Tagula ist  ein weiteres Beispiel. Sein Pedigree ist zu fast allen modischen Linien ein totaler Qutcross. Er stellt nicht massenweise Sieger in Prestigerennen, aber wenn er mal ein Pferd raushaut, sind es gleich Kandidaten wie ein Limato oder Canford Cliffs! Er ist 2017 für sehr günstige 4.000 Euro im Rathbarry Stud zu buchen.

Als Fazit kann festgehalten werden, dass die deutschen Vollblutdeckhengste was Leistungsvermögen und Decktaxen angeht, sich hinter keinem anderen Land verstecken müssen. Den deutschen Vollblutzüchtern stehen hochkarätige Stallions zu fairen Konditionen zur Wahl. Einzig die starke Ausrichtung auf längere Distanzen und die schwache Nachfrage trüben das Bild.

Bevor der Artikel hier von der Länge den Rahmen sprengt, möchte ich zunächst zum Ende kommen. In einem kommenden Beitrag werde ich dann einen Blick auf die europäischen Vollblutdeckhengste werfen und versuchen ihre Aussichten auszuloten. Hierbei sollen die Rentabilität der Decktaxe sowie noch unentdeckte Stallions besondere Beachtung finden, da die üblichen Verdächtigen wie Dubawi, Galileo oder Frankel eh aus dem Rahmen kleinerer Züchter fallen.