Vollblut Expertentag 2016 Auch das Wetter spielte mit.

Vollblut Expertentag 2016 auch das Wetter spielte bei dieser sehr schönen Veranstaltung an Hannovers Maschsee mit!

Auch dieses Jahr wurde wieder der bei den Aktiven und Züchtern aus dem Galopprennsport so beliebte Vollblut Expertentag in der dritten Edition im Hotel Courtyard by Marriott direkt an Hannovers Maschsee abgehalten.

Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich rund 300 Aktive des deutschen Galopprennsport zur Tagung. Leider brachte gleich zu Beginn ein Stau auf der so geplagten A2 den Terminplan gehörig durcheinander. Mit gut einer Stunde Verspätung konnte dann in eine bunte und durch scharfe Diskussionen geprägte Veranstaltung gestartet werden. Hier ließ auch gleich zum Auftakt der Runde " Rennsport Quo Vadis?" Gregor Baum die Katze aus dem Sack und zeichnete ein Bild des Schreckens zur aktuellen Lage des Galopprennsports hierzulande. Von meiner Seite aus noch einmal herzlichen Dank und vollste Hochachtung zu diesen Ausführungen. Allein die mit Sarkasmus gewürzten Ausführungen zur gegenwärtigen Situation waren das Eintrittsgeld wert. Einfach großartig! Das eine so bedeutende Person im deutschen Turf endlich einmal schonungslos und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen die Missstände im deutschen Galopprennsport aufzeigt, war höchste Zeit und erntete auch den verdienten Applaus. Ein Rückgang der Wettumsätze seit 1995 um beinahe 80 %  ist einfach kaum noch zu kompensieren und ohne treue Gesellschafter und ehrenamtliche Mitarbeiter wäre der deutsche Galopprennsport ohnehin schon längst am Ende.

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Es gelingt aber auch einfach nicht mehr, die Rennbahnbesucher aktiv an die Wettschalter zu locken und somit über die Totalisatorumsätze die so dringend von den Rennvereinen benötigten Einnahmen zu erzielen. Rennbahnen wie die  Neue Bult in Hannover oder Baden-Baden die noch zu den Premium Veranstaltern im hiesigen Galopprennsport zählen, schreiben tief rote Zahlen. Immer häufiger werden gar ganze Renntage abgesagt, da den veranstaltenden Rennvereinen das Wasser bis über den Hals steht! Es fehlt einfach ein professionelles Management, da der deutsche Galopprennsport und sein Schicksal fest in der Hand von Ehrenamtlichen liegt, welche aber eben auch noch in anderen Bereichen tätig sind und somit nicht die notwendigen Voraussetzungen oder zeitlichen Freiräume mitbringen. Es fehlt an klaren Konzepten und die Funktionärssitzungen gleichen einer Höchststrafe. Auch die Rolle der BGG und ihre Kompetenzen wurden infrage gestellt und aufgezeigt das kaum welche vorhanden sind.

Die Rennbahnbesucher verweigern massiv den Gang an den Wettschalter!

Spitzensport am Renntag der Gestüte auf der Neuen Bult! Aber die Wetter halten sich am Toto zurück.

Spitzensport am Renntag der Gestüte auf der Neuen Bult! Aber die Wetter halten sich am Toto zurück.

Zu diesem Thema habe ich bereits einmal im Artikel "Götterdämmerung im deutschen Galopprennsport" einige Anregungen und Lösungsvorschläge unterbreitet.

Wer jedoch am Renntag der Gestüte auf der Neuen Bult in Hannover vor Ort war, konnte die ganze missliche Situation mit eigenen Augen miterleben. Der hannoversche Rennverein hatte ein sportliches Spitzenprogramm auf die Beine gestellt und es gab ein Gruppe III. Rennen, Listenrennen sowie hoch dotierte Auktionsrennen. Das Wetter war für einen 30. Oktober auch ausgesprochen gut und für einen Rennbahnbesuch einfach perfekt. Doch anders als bei den ersten beiden Renntagen zum Saisonauftakt war die Veranstaltung nicht übermäßig gut besucht. Hier muss wieder einmal die Frage erlaubt sein, welchen Stellenwert für die Mehrzahl Besucher eigentlich die Qualität der abgehaltenen Galopprennen hat. Mir schwant da mittlerweile wenig Gutes.

Das wie immer großartige Rahmenprogramm und kulinarische Angebot wird gerne angenommen aber nach ein paar Stunden an der Luft wird dann wieder der Heimweg angetreten, ohne dass Personal am Wettschalter übermäßig strapaziert zu haben. Viel Besucher kommen wahrscheinlich eher wegen des Rahmenprogramms  und der frischen Luft zuliebe auf die Galopprennbahn. Die Pferdewette an sich, ist auf der Rennbahn faktisch tot!

Viele der alten und treuen Stammkunden von früher sind verstorben oder verarmt und der Nachwuchs am Wettschalter bleibt aus. Die Pferdewette ist einfach absolut out und braucht ein völlig neues Image und massive PR, um öffentlich überhaupt wieder wahrgenommen zu werden.  Schon bald drohen uns sonst Bilder wie in Frankreich wo bei Spitzenveranstaltung mit Gruppe I Rennen einige Hundert Besucher die Rennbahn betreten. Die Franzosen wetten halt lieber beim Bookie um die Ecke aber sie Zocken gewaltig und das hält den Sport dort am Leben.

Auch das zweite Thema "Rennsport in den Medien" sorgte für geteilte Meinungen.

Sicher führt an dem Weg in eine neue Zukunft für den deutschen Galopprennsport an den Medien kein Weg vorbei, aber wenn man sich den Erfolg der Aktionen vergangener Jahre medialer Präsenz einmal vor Augen führt, sieht man schwarz. Hier gilt wohl im Augenblick eher "etwas machen ist besser als gar nichts machen". Strukturen und innovative Konzepte fehlen aber völlig. Die Marke Galopprennsport made in Germany ist medial im Augenblick kaum zu vermarkten. Der deutsche Turf ist zu einer mini Randsportart im deutschen Gesamtsport verkommen und fristet ein Dasein außerhalb jeden Fokus. Auch hier tut sich für Wagemutige ein breites und zunächst sicher undankbares Betätigungsfeld auf, das nur mühsam zu beackern sein dürfte. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal besonders die sehr erfolgreich Zusammenarbeit von Thomas Schmidt von der Dresdner Morgenpost und dem Dresdner Rennverein erwähnen, welche auf diesem Gebiet einiges erreicht haben. Zum Thema Galopper-Champions-League hatte ich meine Meinung ja bereits sehr ausführlich an anderer Stelle dargelegt!

Der deutsche Galopprennsport braucht keine Ausgleich I Rennen!

Die Trainer halten sich im Ausgleich I. vornehm zurück.

Die Trainer halten sich im Ausgleich I. vornehm zurück.

 

Zu dieser Meinung konnten Besucher gelangen, die beim Vollblut Expertentag der Diskussionsrunde Handicap & Ausschreibungen beiwohnten. Mit erheblichem finanziellen Aufwand wurden diverse Rennen seitens der Rennvereine und Besitzervereinigung ins Leben gerufen und mit stattlichen Dotierungen ausgestattet. So sind mindestens 25.000 Euro im Pott, wenn die Starter zum Showdown im Ausgleich I antreten. Wenn sie den antreten, denn in Galopprennen der höchsten Ausgleichsklasse gibt es einen regelrechten Starterstreik. Selten sieht man mehr als eine Handvoll Galopper am Ablauf. Die zahlreichen renommierten Trainer, die beim Vollblut Expertentag vor Ort waren, gaben an keine geeigneten Starter im Stall zu haben, als es zu einer Diskussion über die Sinnhaftigkeit dieser Ausgleichsklasse kam. Sehr schade aber das Geld könnte man dann sicher anderen Veranstaltungen zukommen lassen, welche sich größerer Nachfrage erfreuen.  Auch das Wettpublikum ist wenig geneigt, sein Geld bei Minifeldern an die Wettschalter zu tragen. Hier sollte man vielleicht marktwirtschaftlich denken. Keine Nachfrage resultiert in keinem Angebot! Sehr schade nur für den sportlichen Stellenwert der hiesigen Galopprennen.

Die beiden Fachvorträge zu Koppelpflege und Weidemanagement sowie Zahnheilkunde beim Pferd kamen gut an.

Sie waren mit jeweils 30 Minuten allerdings knapp bemessen und konnten die umfangreichen Themen nur kurz anreißen. Hier hätte man sich etwas mehr Zeit gewünscht. Es gab gerade für Züchter und Pferdehalter einige interessante Aspekte, die so der kurzen Zeitvorgabe  zum Opfer fielen. Der Vollblut Expertentag ist halt eine Fachveranstaltung, welche vollgepackt mit Themen und Informationen ist und somit schnell den erforderlichen Rahmen der einzelnen Themen sprengt. Auch vom Umfang im zeitlichen Sinne ist die Veranstaltung am Limit. Noch mehr kann man einfach nicht an einem einzelnen Tag verarbeiten.  Das Format ist aber eine der wenigen Erfolgsgeschichten im Galopprennsport und unbedingt zu empfehlen.

Freisprungverlosung wie immer der sehnsüchtig erwartete Höhepunkt der Veranstaltung.

Auch 2016 wurde wieder die so beliebte Freisprungverlosung durchgeführt. Zu einem Lospreis von je 100 Euro konnten Züchter beliebig viele Lose erwerben um das Deckrecht an einem Stallion wie Amaron, Jukebox Jury, Kalisto, Maxios, Pastorius, Reliable Man, Samum, Tertullian, Wiesenpfad und Pomellato zu gewinnen. Eine tolle Initiative, die es auch kleinen Züchtern ermöglicht mit etwas Glück einen Spitzendeckhengst für ihre Vollblut-Mutterstute zu buchen.

Den Vollblut Expertentag 2017 sollten Sie auf keinen Fall verpassen!