Haben im Ausland unter Lasix gelaufene Vollbluthengste eine Berechtigung auf Züchterprämie und Anerkennung?

Wende mich heute mal mit einer Umfrage in eigener Sache an Euch und bitte um rege Teilnahme und Antworten zum Thema.

Im folgenden findet Ihr den Sachverhalt zum Fall Lasix in der deutschen Vollblutzucht und den damit einhergehenden Ausschluss zur Züchterprämienberechtigung

Ich wäre Euch sehr dankbar wenn Ihr die Sachlage einmal genau studiert und im Anschluss zu folgenden Punkten Stellung bezieht:

  1. Ist die Regelung die deutsche Hengsthalter isoliert noch sinnvoll und zeitgemäß, da der Hengst sobald er im Ausland steht für Deutschland züchterprämienberechtigt ist?

  2. Würdet Ihr für eine Änderung in der Rennordnung stimmen, wenn der Hengst die geforderte Rennleistung schon vor der Lasix-Medikation erbracht hat?

  3. Wäre es nicht sinnvoll und zwangsläufig angezeigt alle unter Lasix gelaufenen Hengste von der Züchterprämie auszuschließen, wenn man die deutschen Bestimmungen nicht anpasst?

  4. Würdet Ihr mit dem Hengst züchten wenn er in Deutschland aufgestellt wird aber nicht züchterprämienberechtigt ist?

  5. würdet Ihr einen Antrag auf Änderung in der Rennordnung zu Punkt 51.a) unterstützen?

Hallo an Alle! Habe die Möglichkeit einen Deckhengst zu erwerben und in Deutschland zu stationieren.DSCF1637
Hört sich gut an, hat aber einen Haken.
Der Hengst ist zwar über vier Rennzeiten hart geprüft, mehrfacher Gruppe-Sieger sowie mehrfach Gruppe 1 platziert. Aber er ist bei seinen USA Starts unter Lasix gelaufen.
Die Rennordnung sieht vor, dass Hengste die bei einem ihrer Lebensstarts unter Lasix gelaufen sind, nicht züchterprämienberechtigt sind.
Der Hengst dürfte also meiner Einschätzung nach in Deutschland einen schweren Stand haben, wie die Beispiele Scalo und Sabiango gezeigt haben, die in diesem Zusammenhang oft zitiert werden. Seine Abstammung ist zwar ausgezeichnet und die Blutlinie in Deutschland noch nicht vorhanden aber mich schreckt die schwierige Marktlage ab. Viele Züchter haben es schon so sehr schwer, einen vernünftigen Preis für Ihre Produkte zu bekommen, da wird die Züchterprämie als Baustein natürlich ein gewichtiger Faktor bei der Hengstwahl. Wenn auch Ihr bereits einen Hengst besitzt oder Zuchtstuten habt und Züchter seit wäre ich an Eurer Einschätzung sehr interessiert.

Grundsätzlich sollte man aber bei der Zuchtkommission über eine andere Gestaltung zur Zuchttauglichkeit und Züchterprämienberechtigung bei unter Lasix gelaufenen Hengsten nachdenken. Zunächst möchte ich hier aber noch einmal ganz klar herausstellen, dass ich es 100% verurteile, Pferde überhaupt unter Lasix an den Start zu bringen. Doping und unnütze Medikamente haben im Galopprennsport nichts zu suchen!

Es bringt nur wenig, wenn der deutsche Zuchtverband damit eine Vorreiterrolle spielt und mit seinen Bemühungen völlig isoliert ist! Stellt man den Hengst z.B. in Frankreich, Irland etc. auf und bringt seine Stuten zur Bedeckung dort zum Hengst, sind die Nachkommen wenn sie wieder zurück in Deutschland sind züchterprämienberechtigt! Ein Zustand der sich vom Sinn her wohl keinem logisch denkenden Menschen erschließt. Wenn schon müssten alle jemals unter Lasix gelaufenen Hengste generell und unabhängig vom Standort von der Züchterprämie ausgeschlossen werden.

Dann dürfte es für viele Züchter aber sehr schwer werden überhaupt noch einen im Ausland stationierten Hengst hoher Qualität aufzusuchen, wenn er den in den USA gelaufen ist. Dort ist es fast unmöglich einen Breederscup-Teilnehmer etc. zu finden, der nicht unter Lasix gelaufen ist, obwohl sonst deutliche Gewichtserlaubnis von bis zu 7 Pfund winkt! Auch alle großen europäischen Quartiere haben ihre Elite-Starter vor den US Rennen mit Lasix vollgepumt. Wenn man also in einem ausländischen Gestüt nach einem Stallion anfragt fallen sehr viele raus, weil unter Lasix gelaufen.

Hier hat man sich seitens der Zuchtabteilung sicher keinen Gefallen bereitet, da die aktuelle Regelung keinen Sinn macht und leicht zu umgehen ist. Unter ihr leiden aus meiner Sicht nur deutsche Züchter und Hengsthalter die einen Hengst internationaler Prägung aufstellen wollen.
Da die anderen großen Rennsportnationen unsere Regelung nicht unterstützen, muss sie dringend den aktuellen Gegebenheit angepasst werden. So wäre es sicher ein guter und gangbarer Weg alle Leistungen eines Hengstes anzuerkennen, die vor der ersten Lasix-Medikation erbracht worden sind. Soll heißen, wenn der Hengst vorher bereits ein Handicap von 115 oder höher hatte ist er Züchterprämienberechtigt. Die Leistungen nach der Lasix-Einnahme könnte man grundsätzlich aus dem Zuchtspiegel ausschließen. Diese Regelung würde Sinn ergeben und bis zu einer einheitlichen internationalen Lösung den voreiligen deutschen Schritt zum wohle der Zucht entschärfen. Sieht man sich einmal die Stallion-Roster von Coolmore oder Darley an, so würde man erhebliche Probleme bekommen, wenn man einen der internationalen Topstars in Deutschland aufstellen wollte. So einen Fall habe ich gerade bei einem anderen Spitzenhengst. Hier muss also dringend nachgebessert werden, um die deutsche Vollblutzucht international nicht weiter zu isolieren. Ein sehr gut gemeinter Schritt ist zum Boomerang geworden und die Wirkung wirkt dort, wo der Feind nicht schmerzhaft getroffen wird (USA/Lasix) sondern der Patient deutsche Vollblutzucht leidet.

Man könnte hierzulande noch nicht einmal Granaten wie Highland Reel, Excelebration etc. aufstellen!!! Da wird die Zucht nicht geschützt sondern massiv behindert!

Vielleicht müsste man diese Regelung aber auch einfach mal durch massive Unterstützung aller am Rennsport und Zucht beteiligten Personen ad absurdum strafen.


Für Alle die es interessiert hier der genaue Passus aus der Rennordnung:
E Anerkennung von im Inland deckenden Hengsten Punkt 51.a)
Voraussetzung für die Anerkennung ist, das alle Rennleistungen frei von Medikamenten- im Sinne Art.6 des International Agreement on Breeding, Racing und wagering- erbracht wurden

Da dieses Problem ja durchaus viele Züchter betrifft, wäre es sicher angebracht, zum Thema mal eine Umfrage zu stellen und bei entsprechenden Ergebnis einen Antrag auf Änderung der Bestimmungen bei der Zuchtkommission zu stellen. Es hat zwar auch ewig gedauert die Menschheit zu überzeugen das die Erde keine Scheibe ist, aber nichts steht auf ewig fest geschrieben. Schon gar nicht, wenn eine Sinnhaftigkeit der Auslegung einen eindeutigen Nachteil im europäischen Wettbewerbsrecht darstellt.

 

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