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Ist das Deutsche St. Leger noch zu retten?

Camelot

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Beim Anblick auf das diesjährige Teilnehmerfeld kann die Antwort nur lauten nein! Die Qualität der teilnehmenden Pferde hat sich in den letzten Jahren derart verschlechtert, dass einem Angst und Bange werden kann. Keines der aktuell deutschen Pferde die am 130. Deutschen St. Leger teilnehmen konnte bisher eine Gruppe 3 Prüfung gewinnen. Einige weisen wenigstens Platzierungen auf diesem Level auf. Es gibt aber auch Starter die sich gewöhnlich im Ausgleich 3 tummeln. Da versuchen natürlich auch die Gäste aus ausländischen Quartieren angelockt von der überschaubaren Konkurrenz mit der zweiten und dritten Garnitur zu Gruppe Lorbeer zu gelangen. Der Rennpreis von 55.000 Euro ist da eh nur Peanuts. Somit dürfte dem Deutschen St. Leger ein weiterer rascher Absturz bevorstehen. Rennen über die Distanz von 2800 Metern oder sogar weiter sind einfach nicht mehr zeitgemäß und es fehlen schlichtweg die Pferde um Langstreckenrennen qualitätvoll zu besetzten. Dieser Umstand ist umso ärgerlicher, als das Deutsche St. Leger ein wichtiger Stein in der deutschen Triple Crown ist. Nach dem Stand der Dinge kann man wohl davon ausgehen, dass der selige Königsstuhl mit seinem Sieg 1979 im Deutschen St. Leger auf ewige Zeiten der einzige Sieger von Mehl-Mülhens-Rennen ( früher Henckel-Rennen), Deutschen Derby sowie St. Leger und somit der deutschen Triple Crown bleiben wird.

Reformen bei der deutschen Triple Crown sind dringend erforderlich!

Es ist davon auszugehen, dass dem Deutschen St. Leger in Zukunft auch noch der Gruppe 3 Status aberkannt wird, wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Den 1972 in Deutschland eingeführten Gruppestaus und seinen Gruppe 2 Rang hat das Deutsche St. Leger ja bereits verloren! In einigen Jahren dürfte es wohl als Listenrennen gestartet werden.

Ein Blick in die Vergangenheit dieses Klassikers macht wehmütig.

Das Deutsche St. Leger wurde 1881 ins Leben gerufen. Es war ursprünglich bis 1908 in Hannover beheimatet und nur für Dreijährige Pferde offen. Als weitere Austragungsorte folgten später Grunewald und Hoppegarten. Im Jahre 1940 wurde es zum Lehndorff-Rennen umgetauft. Dann folgte ein Gastspiel in Dortmund sowie 1948 und 1949 in Düsseldorf, bevor es wieder in Deutsches St. Leger umbenannt wurde und Dortmund von 1950 bis heute zum Austragungsort avancierte. Das Deutsche St. Leger erfreute sich früher großer Beliebtheit und in den Siegerlisten finden sich viele große Namen wie Styvesant, Lombard, Fervor, Ordinate oder Herold und Prunus. Der eisenharte Steher war damals noch stark gefragt und es wurde in der Zucht eher auf Langstrecken-Linien Wert gelegt. Es war eine Selbstverständlichkeit das der Derbysieger auch im Deutschen St. Leger antrat. Der Stellenwert der beiden Rennen war zu diesen Zeiten ebenfalls ebenbürtig um nur einmal den Bogen zu zum heutigen Rang des Deutschen St. Leger zu spannen. Das Rennen war vor allem aber nur den Dreiährigen vorbehalten, wie es ja im Kampf um die Triple Crown auch Sinn macht. Das einzige was wirklich erstaunt ist, dass es nur dem großen Königsstuhl gelang, sich als Sieger der deutschen Triple Crown ein Denkmal zu setzen. In den USA oder England sind deutlich mehr Galopper zu dieser Glanztat fähig gewesen. Der Niedergang des Deutschen St. Leger begann so ungefähr zum Ende der 80er Jahre, auch wenn ab und zu noch einmal ein Klassepferd wie Wurftaube (1996) oder Schiaparelli (2006) zu finden ist. Einziger Doppelsieger ist El Tango der das deutsche St. Leger 2005 und 2007 gewann. In 2005 wurde das Deutsche St. Leger als logische Konsequenz der Teilnehmerqualität auf den Gruppe 3 Status herabgestuft. Im Jahre 2007 folgte dann der gründlich missglückte Versuch, dass Deutsche St. Leger durch die Öffnung für ältere Pferde zu beleben. Das Ergebnis ist ja hinlänglich bekannt und es setzte ein weiterer Verfall der Qualität ein. Zusätzlich wurde auch noch der deutschen Triple Crown Ihre Berechtigung entzogen bzw. der Anreiz die Triple Crown zu gewinnen weiter verwässert. Die Entscheidung das Deutsche St. Leger auch für ältere Pferde zu öffnen, war somit ein weiterer Sargnagel beim Niedergang dieses historischen Klassikers.

Auch im Mutterland des Rennsports ist das St. Leger unter Druck!

Selbst im Mutterland des Rennsports England hat das St. Leger inzwischen einen sehr schweren Stand! Der letzte Sieger der englischen Triple Crown war 1970 der einzigartige Nijinsky II. Auch hier gibt es für die Dreijährigen Pferde wesentlich attraktivere Rennen wie die Champion Stakes, den Prix de l´ Arc de Triomphe etc. Diese Rennen passen besser zum aktuellen Zuchtziel, welches Distanzspezialisten von 1200-2400 Metern deutlich bevorzugt. In England hat man die Misere aber durchaus erkannt und so hat eine bekannte Buchmacherkette einen Sonderbonus von 1 Mio. Pfund für den Sieger der dreifachen Krone von 2.000 Guineas, Derby und St. Leger ausgelobt. Zudem hat das Englische St. Leger noch Gruppe 1

Camelot

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Status und ist mit 650.000 Pfund dotiert! Das lockte 2012 auch den großen Camelot an, der nur knapp am Gewinn der Triple Crown vorbeischrammte und Platz zwei belegte. Auch hier kann man wohl mutmaßen, dass es mit den aktuell vorherrschenden Blutlinien und Zuchtzielen kaum noch möglich ist, alle 3 Steine der dreifachen Krone zu gewinnen.

Für das Deutsche St. Leger und die von Ihm abhängige Triple Crown gibt es daher wohl nur folgende Wege:

Zum einen müsste die Dotierung für das Deutsche St. Leger  wieder massiv angehoben werden, um Pferde von höherer Qualität anzulocken. Damit einher gehend würde sich auf lange Zeit gesehen vielleicht auch wieder der internationale Gruppenstatus erhöhen lassen.

Das Deutsche St. Leger sollte wieder nur den Dreijährigen Galopper offen stehen. So würde das Deutsche St. Leger auch wieder als wichtiger Baustein der Triple Crown Sinn machen.

Für die 3 Rennen zur deutschen Triple Crown müsste nach amerikanischen Vorbild eine Sonderserie mit Punktesystem und entsprechenden Prämien eingeführt werden. Das Pferd mit den meisten Punkten aus den 3 Rennen ( 2000 Guineas ( Mehl Mülhens Rennen), Deutsches Derby und Deutsches St. Leger gewinnt einen entsprechenden Geldpreis( sagen wir einmal 500.000 Euro). Der Sieger der Triple Crown bekommt 1.000.000 Euro! So würden sicher wieder mehr Besitzer und Trainer über einen Start in allen 3 Rennen nachdenken!

So könnte auch wieder mancher Züchter auf die Idee kommen entsprechende Anpaarungen vorzunehmen, um Galopper zu züchten, die den Erfordernissen zum Gewinn der Triple Crown genügen.

Zur Unterstützung müssten mindestens noch 2-3 hochklassige und hochdotierte Langstreckenrennen ins Leben gerufen werden, um einen wirtschaftlich und züchterisch vertretbaren Anreiz zu schaffen.

Orfevre

Orfevre Gewinner der japanischen Triple Crown

Bestes Beispiel hierfür ist Japan! Dort wurde die Triple Crown noch 2005 von dem Super Galopper Deep Impact und in 2011 von Orfevre gewonnen. Wobei das Pedant zum Deutschen St. Leger sogar über 3000 Meter führt! In Japan haben die Langstreckenrennen aber auch einen ganz anderen Stellenwert. So wird z.B. Das berühmte Tenno Sho über 3200 Meter (G1) einmal im Frühjahr sowie im Herbst ausgetragen. Es gibt zahlreiche andere Prüfungen über extrem Distanzen und siehe da, die Triple Crown wird auch gewonnen!

In den USA scheitern die meisten Pferde bereits in den über 2414 Meter führenden Belmont Stakes am Gewinn der Triple Crown.

Dort sind die vorherrschenden Blutlinien noch mehr auf Kurz- und Mitteldistanzen ausgelegt als in Europa. Nur in den 1930 und 1940 Jahren sowie in den 1970 Jahren wurde die Triple Crown massiv gewonnen. Ein Beleg das zu diesen Zeiten Blutlinien zu Verfügung standen, welchen den Anforderungen optimal entsprachen. Die amerikanische Triple Crown wäre mit Ihren Renndistanzen in Europa sicher inzwischen mehrfach gewonnen worden.

 

 

Umdenken und Reformierung des Systems sind daher nicht zu vermeiden!

Wie sich ja bereits in England gezeigt hat, ist nur durch eine Erhöhung der Rennpreise und Sonderprämien ohne die Konsequenz bei der Zuchtauslese wenig zu gewinnen. Auch dürfte eine Menge Geduld gefragt sein, um die eintretenden Erfolge auch zu erleben und nicht schon vorher das Handtuch zu werfen.

Keine Zukunft für Langstreckenrennen in Europa?!

Wenn wir die momentanen Fakten zur Beurteilung heranziehen nein! Es wäre daher sinnvoll, dem freudlosen Treiben ein Ende zu bereiten und die Triple Crown neu aufzustellen. Ein Punkte und Bonussystem zum Gewinn aller 3 Rennen muss schnellstens auf den Weg gebracht werden. So könnte die Triple Crown als Super-Serie vermarktet werden und deutlich an Popularität bei Besitzern, Trainern und vor allem bei den Zuschauern und dem Wettpublikum erreichen. Siehe nur das Deutsche Derby. Es ist etwas besonders und alle Turffreunde fiebern dem Ereignis entgegen. Als logische Konsequenz gehen auch die Wettumsätze durch die Decke und es kommen neue Besucher auf die Rennbahnen. Nur leider muss so etwas vernünftig vermarktet und umgesetzt werden, woran ich doch nach dem derzeitigen Stand größte Zweifel hege.

Sie hier nur wieder das Deutsche St. Leger als Aufhänger. Man wartet ab bis nichts mehr geht und trifft dann noch katastrophale Entscheidungen. Wenn das St. Leger und die Triple Crown dann endlich absolut tot sind, wird gejammert und wieder irgend ein Schnellschuss kreiert!

 

"Grosser Dallmayr-Preis" als Dritter Stein der deutschen Triple Crown!

So und nur so kann die logische Maßnahme lauten, um die deutsche Triple Crown noch zu retten und auch den Rennsport deutlich zu beleben! Für eine solche Rennserie haben wir das Pferdematerial und es müsste kein züchterisches Umdenken erfolgen. Das Rennen hat Gruppe 1 Status und verspricht Geld und Ruhm. Da lassen dann auch Trainer und Besitzer Ihre Pferde gerne starten. Der Grosse Dallmayr-Preis liegt ideal zwischen dem Deutschen Derby und den anderen Großereignissen wie Grosser Preis von Baden, Champion Stakes oder dem Arc. Es wäre damit in jede Marschroute optimal zu ergänzen und sollte schnell sehr gut angenommen werden. Von den Distanzen wären wir dann in etwa bei amerikanischen Verhältnissen aber daran ist halt nichts zu ändern. Die Zucht hat sich über die Jahre halt in diese Richtung entwickelt. Da heißt es dann Realitätssinn entwickeln und aus dem gegebenen das maximale herausholen. Bei dieser neu kreierten Triple Crown sollten wir dann auch nicht all zu lange auf den ersten Triumphator warten müssen. Die Zeiten als Spitzengalopper noch über 5 Meilen getrieben wurden und in Ihrer Laufbahn 50 und mehr Starts absolvierten sind lange Geschichte!

 

Die Triple Crown genießt im Ausland einen ganz anderen Stellenwert!

Gerade in den USA ist die Triple Crown das Maß der Dinge. Es gibt eine Sonderprämie und jeder will sich in die Annalen mit solchen Ausnahme-Galoppern wie Affirmed, Seattle Slew, Citation oder War Admiral eintragen.

Man hat es verstanden über die Jahre ein reizvolles Bonussystem für die Starter der Triple Crown zu installieren und so laufen mit wenigen Ausnahmen auch die "Jahrgangsbesten Galopper" im Kentucky Derby, den Preakness Stakes sowie den Belmont Stakes. Die Rennserie ist extrem populär und sollte mal wieder ein Galopper alle 3 Rennen gewinnen, wäre der Superstar-Status und eine Decktaxe im sechsstelligen Dollarbereich keine Utopie. Es kommt halt immer darauf an, dass was man hat, optimal zu verkaufen. Da sind uns die Amerikaner meilenweit voraus! Mit den richtigen Konzepten und entsprechenden Marketing würde sich auch der deutsche Galopprennsport deutlich beleben lassen.  Ich sehe nur leider keine Visionäre.  Auch hier kann man bei einem Blick über die Ozeane sehr viel lernen. In Japan gibt es Tagesfahrten zu Gestüten und Rennbahnen mit einem Tagesprogramm wie im besten Freizeitpark! Dort heiraten die Menschen sogar auf dem Gestüt oder im Rennpark. Die Wettumsätze sprengen jede deutsche Vorstellungskraft und es müssen auch keine Rennbahnen in Reihe geschlossen werden. Der Galopprennsport hat alles was zu einer Erfolgssportart gehört. Er ist massentauglich, familienfreundlich, unterhaltsam, man ist an der frischen Luft, man kann sich durch Wetten beteiligen oder Besitzer werden, der Hund darf mit und die Kinder haben tollen Spielangebote, man kann viel Geld gewinnen, die Rennen sind super spannend, die Eintrittspreise sind erschwinglich, man sieht und wird gesehen, ideal für geschäftliche Anlässe ....... Warum man so eine Perle nicht entsprechend vermarktet bekommt ist mir ein Rätsel.

Zum Abschluss noch eine Aufstellung der Triple Crown Sieger aus England, Kanada, Deutschland, Japan und den USA.

Die englische Triple Crown:

West Australian in 1853

Gladiateur in 1865

Lord Lyon in 1866

Ormonde in 1886

Common in 1891

Isinglass in 1893

Galtee More in 1897

Flying Fox in 1899

Diamond Jubiilee in 1900

Rock Sand in 1903

Pommern in 1915

Gay Crusader in 1917

Gainsborough in 1918

Bahram in 1935

Nijinsky II in 1970

Man sieht sieht deutlich, den Abbruch ab 1918. In nunmehr fast 100 Jahre konnten nur noch zwei Pferde die englische Triple Crown gewinnen!

 USA Triple Crown

Sir Barton in 1919

Gallant Fox in 1930

Omaha in 1935

War Admiral in 1937

Whirlaway in 1941

Count Fleet in 1943

Assault in 1946

Citation in 1948

Secretariat in 1973

Seattle Slew in 1977

Affirmed in 1978

Auch in den USA hat es schon über 36 Jahre keinen Gewinner der Triple Crown gegeben! Der Status der Triple Crown ist aber ungebrochen. Der letzte Superstar war "Big Red" Secretariat! Er war der Liebling der Nation und ist noch heute unvergessen. Es gibt noch immer Bücher, Figuren, T-Shirts und andere Artikel von diesem Hall of Fame Galopper.

Die kanadische Triple Crown

New Providence in 1959

Canebora in 1963

With Approval in 1989

Izvestia in 1990

Dance Smartly in 1991

Peteski in 1993

Wando in 2003

Hier scheint die Welt noch in Ordnung. Wobei die kleinere Population an Galoppern die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein sehr gutes Pferd die Triple Crown auch gewinnt.

Die deutsche Triple Crown ist schnell erzählt! Der einzige Sieger war Königsstuhl im Jahre 1979. Er war zudem auch Erzeuger von Monsun, dem erfolgreichsten deutschen Stallion der Neuzeit.

Die japanische Triple Crown

St. Lite in 1941

Shinzan in 1964

Mr. C.B. in 1983

Symboli Rudolf in 1984

Narita Brian in 1994

Deep Impact in 2005

Orfevre in 2011

Es zeigt sich deutlich welch großen Einfluß die Popularität von Langstreckenrennen auf den Gewinn der Triple Crown hat! Der Genpool der japanischen Zucht ist noch dazu in der Lage Pferde zu stellen, welche sowohl über kürzere als auch sehr lange Renndistanzen kommen. Ein weiteres Kuriosum ist, dass der in den USA verschmähte Sunday Silence in Japan zum erfolgreichsten Deckhengst aller Zeiten wurde.  Sein Blut hätte sicher auch der amerikanischen Vollblutzucht ein wenig mehr Stamina verliehen. So aber zeugte er selbst als auch seine Söhne bereits Sieger der japanischen Triple Crown.

Orfevre

Triple Crown Winner Orfevre

Wer also in Europa oder den Staaten mit dem Gedanken liebäugelt mal wieder das St. Leger oder gar die Triple Crown zu gewinnen, sollte seine Stuten mal auf die Reise nach Japan zu Deep Impact oder Orfevre schicken!

 Sayounara

Marcell Pargmann